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Map of the night sky, Moon, Jupiter, Uranus, Saturn and Neptune, Image created with SkySafari 6 for Mac OS X, ©2010-2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Das Sonnensystem

Die Sonne

Die aktuellsten verfügbaren Sonnenfleckenzahlen (zum Zeitpunkt des Schreibens) stammen aus dem Monat September. Laut NOAA lagen die Werte im September leicht über den Prognosen – ein erfreulicher Anstieg im Vergleich zu den Vormonaten. Im Laufe des Monats wurden knapp 130 Sonnenflecken beobachtet, was darauf hinweist, dass die Sonne weiterhin ein hohes Maß an Aktivität zeigt.

Tatsächlich setzte sich diese Aktivität bis in den Oktober fort: In den Nächten des 1. und 2. Oktober wurden schwächere Polarlichtereignisse registriert, die mit starker geomagnetischer Aktivität einhergingen. Ein weiteres starkes Ereignis fand am 18. Oktober statt. Am 21. Oktober kam es zu einem sehr großen koronalen Massenauswurf, der jedoch von der Rückseite der Sonne ausging. Obwohl dieses Ereignis nicht direkt zur Erde gerichtet war, kann sich aufgrund der komplexen Dynamik des Sonnenwinds dennoch Sonnenmaterial um die Sonne herumbewegen und Einfluss auf die Magnetosphäre und Atmosphäre unseres Planeten nehmen – auch wenn das auslösende Ereignis ursprünglich in eine ganz andere Richtung zeigte. Da die Sonnenaktivität weiterhin hoch ist, sind vergleichbare Ereignisse in naher Zukunft durchaus möglich.

Aktuelle Entwicklungen des Sonnenzyklus lassen sich auf der Website der NOAA verfolgen: https://www.swpc.noaa.gov/products/solar-cycle-progression. Auch Webseiten wie www.spaceweather.com sowie der monatliche Newsletter von Michel Deconinck („Aquarellia Observatory Forecasts“) bieten fundierte Informationen zu verschiedenen Aspekten der Sonnenbeobachtung und liefern wertvolle Einblicke in den aktuellen Zustand unseres Muttersterns. Sehr empfehlenswert ist zudem die App AuroraWatch, entwickelt von der Lancaster University (UK).

Der Mond

Wir starten in den November mit einem zu 80 % beleuchteten, zunehmenden Mond im Sternbild Wassermann. In den Nächten des 1. und 2. November steht der Mond in der Nähe von Saturn und Neptun an der Grenze zwischen den Sternbildern Fische und Wassermann.

Der Mond zieht weiter durch die Fische und dann in den Widder, wo er am Abend des 5. November in die Vollmondphase übergeht. Der Mond wird am frühen Abend aufgehen und wird gegen Mitternacht den Meridian überschreiten. Wie an dieser Stelle des Himmelsführers üblich, sei darauf hingewiesen, dass diese Phase des Monats nicht ideal für die Beobachtung von Deep-Sky-Objekten oder für die Astrofotografie geeignet ist.

Dieser Vollmond ist ein sogenannter Supermond – korrekterweise als Perigäums-Syzygie-Mond bezeichnet –, der entsteht, wenn der Mond sich auf seiner leicht exzentrischen Umlaufbahn in Erdnähe befindet. Wie bereits in früheren Himmelsführern erläutert, ist ein Supermond aus wissenschaftlicher Sicht nicht von großer Bedeutung. Dennoch kann der Mond durch seine Nähe zur Erde – insbesondere zu dieser Jahreszeit, wenn er für Beobachter auf der Nordhalbkugel recht tief in der südlichen Ekliptik steht – optisch größer erscheinen. Ein Supermond wirkt nur etwa 14 % größer als der Mond in seiner fernsten Entfernung, doch atmosphärische Linseneffekte (verursacht durch Brechung, wenn der Mond nahe am Horizont aufgeht oder untergeht) können ebenfalls dazu führen, dass Himmelskörper größer erscheinen, als sie es in größerer Höhe tun würden. Beide Phänomene zusammen können bewirken, dass der Mond ein wenig größer wirkt als gewöhnlich. Wie ebenfalls üblich an dieser Stelle, sei daran erinnert: Der Vollmond ist wahrscheinlich die ungünstigste Phase zur Beobachtung unseres natürlichen Satelliten, da die Vielzahl seiner interessanten Oberflächenstrukturen durch das starke Licht nahezu ausgeblichen ist. Neutrale Dichtefilter und andere Mondfilter können helfen, die Helligkeit zu dämpfen und die Beobachtung angenehmer zu gestalten. Doch tatsächlich lassen sich die Strukturen des Mondes am besten in der Sichel- oder Halbmondphase beobachten.

Nachdem das Highlight des Supermondes vorüber ist, setzt der Mond seine Bahn durch den äußersten Norden der Ekliptik fort – vom Widder über den Stier weiter in die Zwillinge, wo er sich am Abend des 10. November zu Jupiter gesellt. Anschließend wandert der Mond durch den Krebs und erreicht im Löwen am Abend des 12. November das letzte Viertel. In der darauffolgenden Woche durchquert er die Sternbilder Löwe und Jungfrau und nimmt dabei stetig ab. Diese Jahreszeit bietet aus Sicht der Nordhalbkugel ausgezeichnete Bedingungen zur Beobachtung der Mondsichel am Morgenhimmel – das herbstliche Gegenstück zu den hohen Abenden-Sichelphasen im Frühling. Frühe Aufsteher erhalten hier eine gute Gelegenheit, den Mond in beträchtlicher Höhe über dem Horizont zu beobachten. Am 20. November trifft der Mond auf die Sonne im Grenzbereich zwischen Waage und Skorpion und wird zum Neumond.

Nach dieser Begegnung mit der Sonne erscheint der Mond wieder als Abendobjekt. Da die Sonne zu dieser Jahreszeit aus Sicht der Nordhalbkugel tief steht, wird auch der zunehmende Abendmond sehr niedrig am Himmel zu sehen sein. In der letzten Novemberwoche zieht der Mond in Horizontnähe entlang – durch Schütze, Steinbock, weiter in den Wassermann und die Fische, wo er sich am Abend des 29. November erneut kurz zu Saturn und Neptun gesellt. Der November endet mit dem Mond wieder im Sternbild Fische – nun als zunehmender Mond in der Phase des zu etwa 75 % beleuchteten Dreiviertelmondes.

Mond, Saturn und Neptun am 29. November, Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com. Mond, Saturn und Neptun am 29. November, Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Merkur

Der sonnennächste Planet unseres Sonnensystems startet in den Monat als Bewohner des Sternbildes Skorpion. Er ist ein Ziel für den Abendhimmel, jedoch ein herausforderndes – zumindest für Beobachter auf der Nordhalbkugel. Wie bereits im Zusammenhang mit dem abendlichen Erscheinen des Mondes im November erwähnt, befindet sich Merkur aktuell ebenfalls in einem sehr flach verlaufenden Abschnitt der Ekliptik. Das führt dazu, dass der Planet von der Nordhalbkugel aus nur schwer zu beobachten ist. Obwohl er sich nur wenige Tage nach seiner größten östlichen Elongation von der Sonne befindet und einen beachtlichen Abstand von 24° zur Sonne aufweist, steht Merkur am 1. November (von 51° nördlicher Breite aus gesehen) zum Sonnenuntergang lediglich etwa 4° über dem Horizont. Mit einer Helligkeit von -0,1 mag und einem Durchmesser von 7 Bogensekunden bei knapp 56 % Beleuchtung ist Merkur eigentlich ein lohnendes Ziel – doch seine niedrige Position am Himmel erschwert die Beobachtung erheblich.

Im weiteren Verlauf des Monats wird Merkur zunehmend schwächer, da seine Phase abnimmt, während er sich auf seiner Umlaufbahn näher an die Erde bewegt. Bis zur Monatsmitte ist er mit einer Helligkeit von +2,3 mag und einem nur zu 8,4 % beleuchteten Scheibchen kaum noch zu beobachten.

Merkur erreicht seine untere Konjunktion – also seine Position zwischen Sonne und Erde – am 20. November. Danach wird er am Morgenhimmel wieder sichtbar werden.

In der letzten Novemberwoche taucht Merkur rasch aus dem gleißenden Licht der Sonne auf und zieht am Morgen des 24. und 25. an Venus vorbei, im Sternbild Waage. Dadurch wird es deutlich einfacher, die Position des lichtschwachen Planeten zu bestimmen, denn Venus dient als sehr heller Wegweiser im Südosten – kurz vor der Morgendämmerung. Doch auch wenn Merkur dann leichter am Himmel zu finden ist, bleibt er mit einer Helligkeit von +2,0 mag zu diesem Zeitpunkt weiterhin eine große Herausforderung für die Beobachtung.

Bis zum Monatsende wird Merkur jedoch deutlich heller, erreicht eine Helligkeit von +0,3 mag und zeigt eine 8 Bogensekunden große, zu 33 % beleuchtete Planetenscheibe. Für Beobachter auf der Nordhalbkugel steht Merkur nun in bemerkenswerter Höhe über dem Horizont: Am Morgen des 30. November befindet er sich – von 51° nördlicher Breite aus betrachtet – gut 13° hoch, während die Sonne aufgeht.

Merkur, Sonnenaufgang, 30. November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com. Merkur, Sonnenaufgang, 30. November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Venus

Venus ist ein Objekt des Morgenhimmels und bewegt sich – wie bereits in früheren Ausgaben dieses Himmelsführers erwähnt – derzeit auf die Sonne zu. Zu Beginn des Novembers ist sie nach der Sonne das hellste Objekt am Morgenhimmel und steht bei einer Helligkeit von -3,9 mag am Morgen des 1. November knapp 13,5° über dem Horizont (von 51° nördlicher Breite aus gesehen).

Bis zur Monatsmitte bleibt die Helligkeit von Venus konstant, jedoch sinkt ihre Höhe über dem Horizont bei Sonnenaufgang – erneut bezogen auf 51° nördlicher Breite – auf unter 10°.

Wie bereits erwähnt, kommt es in den letzten Tagen des Monats zu einer recht engen Begegnung zwischen Venus und Merkur. Venus dient dabei als auffällig heller Wegweiser zur Position Merkurs am Himmel.

Gegen Monatsende bleibt die Helligkeit der Venus weiterhin konstant bei -3,9 mag, doch nun steht sie nur noch etwa 6° über dem Horizont (wiederum aus Sicht von 51° nördlicher Breite). Zwar ist die obere Konjunktion – die Venuspassage hinter der Sonne – erst Anfang Januar 2026 zu erwarten, doch Venus befindet sich derzeit in einer suboptimalen Position für visuelle Beobachtungen durch das Teleskop. Zwar kann sich eine Beobachtung mit geringer Vergrößerung lohnen, aber mit steigender Vergrößerung wird der störende Einfluss der Erdatmosphäre bei der Beobachtung deutlich spürbar.

Venus, Sonnenaufgang, 1. November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com. Venus, Sonnenaufgang, 1. November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Mars

Mars hält sich Anfang November im Sternbild Waage auf und präsentiert sich mit einer eher enttäuschenden Helligkeit von +1,5 mag – derzeit also ein ziemlich ungeeignetes Beobachtungsobjekt. Erstaunlicherweise bleibt Mars – zumindest technisch gesehen – noch bis Ende 2025 ein Objekt des Abendhimmels. Doch seine äußerst geringe Höhe über dem Horizont und sein winziger Durchmesser machen ihn zurzeit kaum lohnenswert für visuelle Beobachtungen. Erst gegen Ende 2026 wird Mars langsam wieder ein interessanteres Ziel für die teleskopische Beobachtung.

Mars, Sonnenuntergang, 1. November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com. Mars, Sonnenuntergang, 1. November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Jupiter

Wo Mars enttäuscht, da glänzt Jupiter: Am 1. November steht Jupiter im Sternbild Zwillinge und leuchtet mit einer beeindruckenden Helligkeit von -2,3 mag. Seine Planetenscheibe misst zu diesem Zeitpunkt 40,6 Bogensekunden im Durchmesser. Jupiter geht gegen 22 Uhr (MEZ) auf und überschreitet den Meridian gegen 6 Uhr morgens – etwa zwei Stunden vor Sonnenaufgang. Damit ist der Planet weiterhin am besten am frühen Morgen zu beobachten, doch sobald er eine Höhe von etwa 30° erreicht hat (je nach Standort), lässt sich Jupiter auch teleskopisch sehr gut beobachten.

Am 11. November beginnt Jupiters Rückläufigkeit – ein bedeutender Moment vor der Oppositionsstellung, die er im Januar 2026 erreichen wird. Die äußeren Planeten scheinen stets einige Zeit vor der Opposition rückläufig zu werden, da die Erde – auf ihrer inneren, schnelleren Umlaufbahn – beginnt, den äußeren Planeten zu „überholen“. Diese scheinbare Bewegung Jupiters gegen den Sternenhintergrund hat nichts mit seiner tatsächlichen Umlaufbahn zu tun. Eine oft verwendete Analogie ist die eines Autos, das auf der Autobahn ein langsameres Fahrzeug überholt: Aus Sicht des überholenden Fahrzeugs scheint das andere rückwärts zu fahren. In etwa so lässt sich auch die rückläufige Bewegung der äußeren Planeten erklären.

Zur Monatsmitte steigert Jupiter seine Helligkeit geringfügig auf -2,4 mag, bei einem Scheibchendurchmesser von 42,3 Bogensekunden. Er geht nun gegen 21:30 Uhr auf und überschreitet den Meridian gegen 5:30 Uhr morgens (jeweils in MEZ).

Bis zum Monatsende hat Jupiter nochmals leicht an Helligkeit zugelegt – auf -2,5 mag – und zeigt eine Planetenscheibe mit einem Durchmesser von 44,1 Bogensekunden. Er geht nun gegen 20 Uhr auf und überschreitet den Meridian gegen 4 Uhr morgens.

Wie immer gibt es auch im November wieder spannende gegenseitige Transits auf dem Jupiter zu beobachten. Am Morgen des 5. November kommt es zu einem besonders schönen Ereignis: Der Große Rote Fleck (GRF), Io und der Schatten von Io durchqueren nahezu gleichzeitig die Planetenscheibe, beginnend gegen 7 Uhr morgens. Etwa eine Stunde später wird auch Europa einen Transit beginnen. In der Nacht auf den 11. November findet ein kurzer gemeinsamer Transit von GRF und Ganymed statt, gegen 3 Uhr morgens. Am Morgen des 12. November, zum Sonnenaufgang, wird es eine weitere gemeinsame Passage von GRF und Io geben. Am 16. November, kurz nach 1:30 Uhr, folgt ein gemeinsamer Transit von GRF und Europa. Am 18. November gegen 3:30 Uhr treten GRF und Ganymed erneut gemeinsam auf. Am 21. November, gegen 3:30 Uhr, ziehen Io, der Schatten von Io und der GRF gleichzeitig über den Jupiter hinweg. Am Morgen des 23. November, gegen 2:30 Uhr, folgt ein schönes Trio aus GRF, Europa und dem Schatten Europas. Am 26. November, gegen 3:30 Uhr, kommt es zu einer weiteren Dreierkonstellation aus GRF, Ganymed und Ganymeds Schatten. Den Abschluss des Monats bildet am 30. November ein gemeinsamer Transit von GRF, Europa und dem Schatten Europas, gegen 5 Uhr morgens.

Jupiter-Transits, 5. November, 7:39 Uhr (MEZ). Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com. Jupiter-Transits, 5. November, 7:39 Uhr (MEZ). Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Saturn

Saturn bleibt im November hervorragend für die Beobachtung am frühen Abend platziert. Mit einer Helligkeit von +0,9 mag und einer Planetenscheibe von knapp 19 Bogensekunden Durchmesser im Sternbild Wassermann ist Saturn derzeit das mit Abstand hellste „Stern“-Objekt in seiner Himmelsregion. Wer vom Standort aus das Pegasus-Viereck ausmachen kann, sollte sich südlich vom Zentrum des Vierecks orientieren – dort findet sich Saturn als cremegelblich leuchtender Lichtpunkt in etwa gleicher Tiefe wie das Viereck, etwas südlich seiner unteren Linie.

Am 1. November geht Saturn gegen 16:30 Uhr (MEZ) auf, überschreitet den Meridian gegen 22:15 Uhr und geht gegen 4 Uhr morgens wieder unter.

Obwohl die Ringe Saturns derzeit nahezu exakt von der Seite betrachtet werden, zeigt der Planet mit modernen Teleskopen immer noch ein eindrucksvolles Erscheinungsbild. Aufgrund der aktuellen Orientierung der Erde zur Saturnbahn besteht die Möglichkeit, Transits von Saturnmonden und ihren Schatten über die Planetenscheibe zu beobachten. Im Vergleich zu den leicht erkennbaren Transitereignissen bei Jupiter ist dies bei Saturn allerdings wesentlich schwieriger – bedingt durch die größere Entfernung zur Erde und die geringere Größe der meisten Monde.

Beobachtbar ist jedoch beispielsweise der Transit von Saturns größtem Mond Titan – einschließlich seines Schattens. Eine solche Gelegenheit bietet sich am Abend des 6. November, beginnend gegen 21:30 Uhr. Titan und sein Schatten bewegen sich für etwa sieben Stunden über die Saturnscheibe. Auch zwei weitere größere Monde, Dione und Rhea, werden in dieser Nacht einen Transit durchführen – doch diese Ereignisse sind deutlich schwieriger zu beobachten. Wer ein größeres Teleskop mit ausreichend Vergrößerung und guten Okularen besitzt, hat gute Chancen, den Transit von Titan zu verfolgen – sofern das Wetter mitspielt.

Ein weiterer Titan-Transit findet am Abend des 23. November statt, beginnend gegen 20 Uhr.

Bis Ende November nimmt Saturn leicht an Helligkeit ab und steht dann bei +1,1 mag mit einem Scheibchendurchmesser von 18,1 Bogensekunden. Der Planet bleibt weiterhin hervorragend für die Beobachtung am frühen Abend geeignet: Er überschreitet den Meridian gegen 20:30 Uhr und geht gegen 2 Uhr morgens unter. Wer ein Teleskop besitzt, sollte die Gelegenheit nutzen, Saturn zu beobachten, solange er zu so angenehmen Zeiten am Himmel steht.

Saturn mit Titan-Transit, 6. November, 0:28 Uhr (MEZ). Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com. Saturn mit Titan-Transit, 6. November, 0:28 Uhr (MEZ). Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Uranus und Neptun

Das Highlight unter den äußeren Planeten in diesem Monat ist die Opposition von Uranus, die er am 21. November erreicht. Der Planet steht im Sternbild Stier, etwa 4,5° südlich des Sternhaufens der Plejaden. Uranus erreicht dabei eine Helligkeit von +5,6 mag und einen scheinbaren Durchmesser von 3,8 Bogensekunden. Unter einem dunklen Himmel ist der Planet theoretisch mit dem bloßen Auge sichtbar, aber auch unter weniger idealen Bedingungen lässt er sich problemlos mit kleineren Ferngläsern auffinden.

Am Abend seiner Opposition geht Uranus kurz nach 17 Uhr auf und überschreitet den Meridian gegen Mitternacht. Aufgrund seiner Position in der nördlichen Ekliptik ist der Planet für Beobachter auf der Nordhalbkugel besonders gut platziert.

Uranus wurde 1781 von Sir William Herschel entdeckt. Die grau-grünliche Planetenscheibe zeigt normalerweise kaum erkennbare Details – nur in größeren Teleskopen wurden gelegentlich Wolkenbänder beobachtet. Eine besondere Herausforderung ist die Beobachtung des Mondsystems des Uranus. Die größten und auffälligsten Monde – Titania und Oberon – wurden ebenfalls von Herschel entdeckt (1787). Titania misst 1580 km im Durchmesser, Oberon 1520 km. Beide erreichen eine scheinbare Helligkeit um +13,8 bis +14 mag und lassen sich mit großen Amateurteleskopen beobachten. Zwei weitere Monde – Umbriel und Ariel – sind normalerweise etwas lichtschwächer, aber ebenfalls mit größeren Instrumenten erreichbar. Der fünfte Hauptmond, Miranda, liegt mit über 16 mag Helligkeit deutlich schwieriger. Neben diesen fünf primären Satelliten besitzt Uranus noch 22 weitere Monde, die alle unter 150 km Durchmesser liegen. Viele von ihnen wurden bei der Passage der Raumsonde Voyager 2 im Jahr 1986 entdeckt. Ihre Entdeckung wurde später durch erdgebundene Beobachtungen bestätigt und ergänzt.

Uranus besitzt außerdem ein Ringsystem, das den Planeten am Äquator umgibt. Da seine Rotationsachse stark zur Bahnebene geneigt ist, weist dies auf eine möglicherweise gewaltsame Vergangenheit des Planeten hin. Diese Ringe sind im Gegensatz zu denen des Saturn nur mit professionellen Instrumenten sichtbar – oder etwa doch? Interessanterweise gibt es Hinweise, dass Herschel bereits einen Ring um Uranus vermutet hat. In einer Beobachtung vom 22. Februar 1789 notierte er: „Ein Ringsystem wurde vermutet“ und beschrieb die Ringe als „leicht rötlich gefärbt“. Seine Skizze stimmt in Ausrichtung und Position mit der tatsächlichen Lage des hellsten Uranusrings – des Epsilon-Rings – überein, dessen Farbe später spektroskopisch bestätigt wurde. Herschel sah den Ring jedoch nie wieder und verwarf seine Vermutung später. Seine Beobachtungsgabe sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Es ist durchaus möglich, dass günstige Bedingungen ihm einen flüchtigen, sehr schwachen Blick auf den Ring ermöglicht haben. Uranus stand 1789 im Sternbild Krebs – hoch am nördlichen Himmel und ideal für Beobachtungen aus England. Die endgültige Entdeckung des Ringsystems erfolgte erst 1977 durch Instrumente an Bord des Gerard P. Kuiper Airborne Observatory (NASA). Die Infrarotbeobachtungen einer Sternbedeckung durch Uranus zeigten Helligkeitseinbrüche vor und nach der eigentlichen Bedeckung – verursacht durch die Ringe. Der Ausschluss von Monden als Ursache und die gleichmäßige Struktur der Einbrüche bestätigten die Existenz des Ringsystems, was später durch Voyager 2, das Hubble-Weltraumteleskop und bodengebundene Teleskope bestätigt wurde.

Neptun hat seine eigene Opposition bereits hinter sich, ist aber weiterhin gut sichtbar – nahe Saturn im Sternbild Fische. Mit einer Helligkeit von +7,8 mag ist der äußerste Planet des Sonnensystems stets etwas schwieriger zu beobachten als Uranus. Seine derzeitige Nähe zu Saturn erleichtert jedoch das Auffinden dieses fernen Himmelskörpers. Mitte November geht Neptun am frühen Nachmittag auf und überschreitet den Meridian gegen 21:30 Uhr (MEZ).

Uranus und Neptun im November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com. Uranus und Neptun im November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Kometen

Der Komet C/2025 A6 (Lemon) erreichte am 21. Oktober seine größte Annäherung an die Erde – mit einer Distanz von etwa 90 Millionen Kilometern (0,6 AE). Der Komet erreichte dabei eine Helligkeit von rund +4,5 mag – was in etwa dem mittleren Erwartungswert entsprach. Anfang November bewegt sich Komet Lemon in südlicher Richtung durch das Sternbild Schlangenträger. Dabei dürfte seine Helligkeit leicht abnehmen, doch sollte er weiterhin ein lohnendes Objekt für Ferngläser bleiben. Nach der Monatsmitte führt sein Kurs wieder näher an die Sonne und bewegt sich gleichzeitig weiter nach Süden – was ihn für Beobachter auf der Nordhalbkugel zunehmend schwieriger macht. Wer ihn noch sehen möchte, sollte sich also beeilen.

Komet Lemon – Bahn im November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com. Komet Lemon – Bahn im November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Etwas besser platziert ist C/2025 R2 (Swan), ein leicht schwächerer Komet. Er erreichte Ende Oktober eine Helligkeit von etwa +5,5 bis +6 mag und sollte auch Anfang November noch sichtbar sein, wenn er durch den Wassermann in Richtung Fische zieht. In der ersten Monatshälfte wird der zunehmende Mond in der Nähe des Kometen allerdings stören und die Sichtbarkeit deutlich beeinträchtigen. Da sich der Komet jedoch längere Zeit in diesem Himmelsbereich aufhält und zur Monatsmitte Neumond herrscht, ergeben sich dann gute Chancen, ihn unter wirklich dunklem Himmel zu beobachten oder zu fotografieren.

Komet Swan – Bahn im November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com. Komet Swan – Bahn im November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Meteore

Der November bringt uns einen der unberechenbarsten Meteorströme: die Leoniden. Dieser Strom ist in normalen Jahren eher schwach ausgeprägt – mit einem Maximum von etwa 10 bis 15 Meteoren pro Stunde, je nach Beobachtungsstandort. Allerdings steigt die Aktivität deutlich an, wenn der Mutterkomet, 55P/Tempel-Tuttle, in das innere Sonnensystem zurückkehrt – was alle 33 Jahre geschieht. Inzwischen ist es möglich, die Position und Dichte der von Tempel-Tuttle hinterlassenen Trümmerfelder deutlich besser zu modellieren, was eine präzisere Vorhersage erlaubt. Dieses Jahr wird allerdings kein Leoniden-Sturm erwartet. Doch da der Mond zum Maximum – in der Nacht vom 17. November – nur eine sehr alte, dünne Sichel ist und somit für weite Teile der Nacht kein Störfaktor darstellt, sind die Bedingungen zur Beobachtung dennoch ideal.

Der nächste größere Aktivitätsgipfel der Leoniden wird voraussichtlich erst im Jahr 2033 auftreten. Es gibt jedoch Hinweise aus Umlaufbahn-Analysen, dass die Erde möglicherweise schon zuvor mit älteren, dichteren Staubfilamenten des Stroms in Kontakt kommen könnte – was zu kurzen, aber intensiveren Ausbrüchen führen könnte.

Leoniden-Radiant im Aufstieg, Mitternacht, 17. November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com. Leoniden-Radiant im Aufstieg, Mitternacht, 17. November. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Deep-Sky-Highlights im Sternbild Andromeda

Das Sternbild Andromeda ist ein markantes Element des herbstlichen Nachthimmels auf der Nordhalbkugel und vor allem bekannt für die Andromedagalaxie (M31), die nächste Spiralgalaxie zur Milchstraße. Benannt nach der mythischen Prinzessin Andromeda liegt das Sternbild zwischen Pegasus, Perseus und Kassiopeia und gehört somit zur bekannten „Perseus-Gruppe“ von Sternbildern. Der griechischen Mythologie zufolge war Andromeda die Tochter von Kepheus und Kassiopeia, dem Königspaar von Äthiopien. Kassiopeias Eitelkeit, ihre Tochter sei schöner als die Meeresnymphen, erzürnte Poseidon, der daraufhin das Seeungeheuer Ketos sandte, um das Land zu verwüsten. Um Poseidon zu besänftigen, wurde Andromeda an einen Felsen gekettet – als Opfergabe. Doch der Held Perseus rettete sie, tötete das Ungeheuer und heiratete Andromeda später. Das Sternbild erinnert an diese Erzählung und zeigt Andromeda in Ketten, wartend auf ihre Rettung.

Das Sternbild Andromeda. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com. Das Sternbild Andromeda. Bild erstellt mit SkySafari 6 für Mac OS X, ©2010–2024 Simulation Curriculum Corp., skysafariastronomy.com.

Zunächst richten wir unsere Aufmerksamkeit auf eine weniger bekannte, aber dennoch markante und leicht auffindbare Galaxie im Sternbild: die beeindruckende NGC891. Entdeckt wurde sie 1784 von Sir William Herschel. Es handelt sich um eine Spiralgalaxie, die möglicherweise unserer eigenen Milchstraße ähnelt – allerdings sehen wir sie von der Erde aus exakt von der Kante, also in Kantenlage. Mit einer Helligkeit von +9,89 mag ist sie nicht besonders hell, aber dennoch gut konzentriert. Ihre Achse wird von einem dunklen Staubband durchzogen, das das Objekt optisch in zwei Hälften teilt. In Teleskopen mittlerer Öffnung erscheint NGC891 (Korrektur aus OCR: „NGC9891“ → „NGC891“) wie ein Splitter – oder genauer: wie zwei parallele Lichtstreifen mit einem leichten Aufhellungsbereich im Zentrum, wo sich der Kern der Galaxie befindet. Es ist ein wunderschönes Objekt – auch wenn es nicht den Glanz von M31 besitzt (NGC891 ist etwa 30 Millionen Lichtjahre entfernt), bietet sie doch ein sehr lohnendes Ziel für Beobachtung und Fotografie.

NGC891, von Mark Blundell. Bild mit freundlicher Genehmigung verwendet. NGC891, von Mark Blundell. Bild mit freundlicher Genehmigung verwendet.

Drei Grad westlich von NGC891 befindet sich Gamma Andromedae – auch bekannt als Almach. Dieser Stern ist nicht nur ein guter Orientierungspunkt zur Galaxie, sondern auch selbst ein faszinierendes Beobachtungsziel. Almach ist eines der schönsten Doppelsternsysteme am Himmel: ein Paar bestehend aus einem orange-gelben und einem auffällig blaugrünen Stern mit Helligkeiten von +2,17 mag und +4,75 mag. Der Hauptstern des Systems ist ein K3-Riesenstern am Ende seiner Lebensphase. Der lichtschwächere, blaugrüne Begleiter ist seinerseits ein Doppelstern – allerdings ein äußerst schwieriger. Nur mit Teleskopen der 30-Zoll-Klasse (also über 75 cm Öffnung) lässt sich dieser zweite Doppelstern aktuell auflösen. In den kommenden Jahren wird sich diese Komponente jedoch allmählich weiter voneinander entfernen, sodass sie im Verlauf der 2020er-Jahre auch mit 8-Zoll-Klasse-Teleskopen sichtbar getrennt werden kann.

Die Hauptkomponenten von Gamma Andromedae sind bereits in kleinen Teleskopen herrlich getrennt zu sehen. Selbst Besitzer der kleinsten Teleskope sollten versuchen, dieses schöne Doppelsternsystem aufzuspalten.

Andromeda beherbergt natürlich das bekannteste Galaxienobjekt am Nachthimmel: M31 mit ihren Begleitgalaxien M32 und M110. Als bedeutendes Mitglied der Lokalen Gruppe ist das M31-System die größte gravitative Masse in unserer Nachbarschaft – und in weniger als 4 Milliarden Jahren wird es wahrscheinlich zur Kollision zwischen der Milchstraße und der Andromedagalaxie kommen. Diese beiden Spiralsysteme werden schließlich zu einer großen, sphäroiden elliptischen Galaxie verschmelzen. M31 nähert sich der Milchstraße mit etwa 300 km/s und hat bereits jetzt eine gewaltige Winkelausdehnung am Himmel – sie übertrifft den Vollmonddurchmesser mehr als sechsmal. Mit einer Helligkeit von +3,4 mag gehört M31 zu den ersten Deep-Sky-Objekten – vermutlich die erste entdeckte Galaxie überhaupt. Die erste bekannte schriftliche Erwähnung stammt vom persischen Astronomen Abdul al-Rahman al-Sufi, der M31 in seinem Werk „Buch der Fixsterne“ im Jahr 962 n. Chr. als „kleines Wölkchen“ beschreibt. Seine Beobachtung ist die früheste dokumentierte, aber M31 war vermutlich schon viel früher bekannt – als auffälliges Objekt neben den Plejaden, Hyaden und dem Orionnebel. Simon Marius richtete 1612 erstmals ein Teleskop auf die Galaxie, machte jedoch keinen Anspruch auf die Entdeckung – möglicherweise war er durch frühere Sternkarten auf sie aufmerksam geworden; eine niederländische Himmelskarte aus dem Jahr 1500 zeigt M31 ebenfalls. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Galaxie mehrfach „neu entdeckt“. Trotz Kommunikation unter den damaligen Astronomen wurde die Entdeckung häufig irrtümlich verschiedenen Personen zugeschrieben – so etwa auch von Charles Messier, der sie in seinem berühmten Katalog 1764 unter Berufung auf Marius aufnahm.

Die wahre Natur von M31 wurde lange diskutiert: War sie ein sich bildendes Sonnensystem? Eine Gaswolke, in der Sterne entstehen? Oder ein sterbender Stern? Die Spektralanalyse brachte erste Hinweise: William Huggins, ein Pionier der spektroskopischen Astronomie, erkannte, dass M31 ein kontinuierliches Spektrum zeigt – anders als die linienförmigen Spektren gasförmiger Nebel wie M42. Das deutete auf eine andere Natur hin. 1887 nahm Isaac Roberts in Sussex das erste detailreiche Foto der Galaxie auf (nahe dem heutigen Standort von Bresser UK/Telescope House in Edenbridge). Seine Aufnahme zeigt bereits Staubbänder und die Begleitgalaxien M32 und M110 – ähnlich wie das moderne Bild von Mark Blundell.

Roberts war noch überzeugt, M31 sei ein sich entwickelndes Planetensystem. Doch die Entdeckung von Novae innerhalb der Galaxie widerlegte diese Theorie. Heber Curtis entdeckte 1917 seine erste Nova in M31 – und später weitere elf. Diese Novae waren im Mittel etwa 10 Magnituden lichtschwächer als die innerhalb der Milchstraße, was Curtis vermuten ließ, dass M31 viel weiter entfernt war als bislang angenommen. Er war einer der Verfechter der „Inseluniversen“-Theorie, nach der Galaxien eigene Sternsysteme sind – eine These, die 1920 in einer berühmten Debatte zwischen Curtis und Harlow Shapley diskutiert wurde (Curtis war dafür, Shapley dagegen).

Entscheidend war schließlich Edwin Hubbles Entdeckung eines ersten Cepheiden in M31 im Jahr 1925. Der Vergleich mit Cepheiden in der Milchstraße bestätigte: M31 ist ein eigenständiges Sternensystem – außerhalb unserer Galaxis. Zwar unterschätzte Hubble die Distanz zunächst um den Faktor zwei, doch seine Beobachtungen machten klar: Das Universum ist weitaus größer und komplexer als gedacht.

Walter Baade gelang es 1943, mit dem 200-Zoll-Spiegelteleskop auf dem Palomar Mountain zwei Typen von Cepheiden in M31 zu unterscheiden – wodurch sich Hubbles Entfernungsabschätzung verdoppelte. Heute wird die Distanz zu M31 auf etwa 2,5 Millionen Lichtjahre geschätzt. Außerdem zeigte sich im Spektrum eine starke Blauverschiebung – ein Beweis, dass sich M31 (bzw. die Milchstraße und M31) aufeinander zu bewegen.

M31 lässt sich mit praktisch jedem optischen Instrument beobachten – oder sogar mit bloßem Auge. Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Galaxie mit großen Ferngläsern ab etwa 70 mm Öffnung unter dunklem Himmel. Auch kurzbrennweitige Rich-Field-Teleskope – wie Dobsons oder kompakte Linsenteleskope – zeigen die Galaxie sehr gut. Aufgrund ihrer Größe sollte man jedoch mit geringer Vergrößerung arbeiten, um M31 in ihrer vollen Ausdehnung zu erfassen. Beide Begleiter, M32 und M110, sind relativ leicht zu erkennen (M32 etwas leichter als M110). In größeren Instrumenten und mit geeigneten Filtern lassen sich in M31 sogar leuchtende Nebelregionen erkennen – ähnlich dem Orionnebel in unserer eigenen Galaxie. Das ist anspruchsvoll, aber sehr lohnend! Wir werden unsere eigene Milchstraße nie von außen betrachten können – daher sollten wir die herrliche Aussicht auf M31 umso mehr schätzen. Einige Kugelsternhaufen innerhalb M31, wie der bemerkenswert helle G1, sind ebenfalls in Teleskopen ab 10 Zoll Öffnung sichtbar.

Wirklich zur Geltung kommt M31 allerdings erst in der Astrofotografie mit längerer Belichtung. Bereits eine 30-Sekunden-Aufnahme mit einem Weitwinkelobjektiv genügt, um M31 deutlich sichtbar zu machen. Besonders geeignet sind kleine, hochwertige Refraktoren auf einer äquatorialen Montierung – ideal zur vollständigen Abbildung der Galaxie auf einem DSLR-Sensor. Durch das Stapeln mehrerer Aufnahmen mit kostenlosen Programmen wie Deep Sky Stacker lassen sich die gewaltigen Staubbänder und detailreichen Hα-Gebiete herausarbeiten. M31 ist ein ideales Einsteigerziel in der Deep-Sky-Fotografie – aber gleichzeitig so faszinierend, dass selbst erfahrene Astrofotografen immer wieder zu ihr zurückkehren. Und dass M31 in den Wintermonaten auf der Nordhalbkugel so gut sichtbar ist, ist ein glücklicher Umstand. Obwohl sie das ganze Jahr über beobachtbar ist, ist jetzt die beste Zeit, um dieses spektakuläre Deep-Sky-Objekt in voller Pracht zu genießen.

M31, von Mark Blundell. Aufgenommen mit einem Explore Scientific 102 ED Apo und 0,7x Korrektor/Reducer. Bild mit freundlicher Genehmigung verwendet. M31, von Mark Blundell. Aufgenommen mit einem Explore Scientific 102 ED Apo und 0,7x Korrektor/Reducer. Bild mit freundlicher Genehmigung verwendet.

Im westlichen Bereich von Andromeda, etwa 2,5 Grad westlich von Iota Andromedae, liegt der herrliche planetarische Nebel NGC7662 – besser bekannt als Blue Snowball Nebula. Dieses Objekt ist zwar kompakt (mit einem Durchmesser von nur 0,5 Bogenminuten), aber ein fantastisches Beobachtungsziel und in Teleskopen verschiedenster Öffnungen gut sichtbar. Ein Teleskop der 6–8-Zoll-Klasse zeigt ihn deutlich als blaugrünen Lichtball. In größeren Teleskopen werden dann auch die feinen Strukturen sichtbar: innere Ringe sowie leicht ovale innere Loben. Der Blue Snowball zeigt mitunter ein sogenanntes „Blinken“, ähnlich dem bekannten „Blinking Planetary Nebula“ oder dem Saturnnebel. Der zentrale Weiße Zwerg des Nebels ist deutlich variabel – seine Helligkeit schwankt zwischen +12 mag und bis unter +16 mag. Der derzeitige Abstand zur Erde wird auf rund 5.600 Lichtjahre geschätzt, bei einem tatsächlichen Durchmesser von etwa 0,8 Lichtjahren.

Der Blue Snowball – Hubble-Weltraumteleskop-Aufnahme. Gemeinfrei. Der Blue Snowball – Hubble-Weltraumteleskop-Aufnahme. Gemeinfrei.

Wenn man sich von M31 aus weiter ostwärts bewegt, gelangt man zu zwei ungewöhnlichen Objekten: Mirach und dem sogenannten „Geist von Mirach“ – einer interessanten Konstellation bestehend aus dem Stern Beta Andromedae und der elliptischen Galaxie NGC404. Von unserem Standpunkt aus liegen diese beiden völlig unterschiedlichen Objekte scheinbar sehr nah beieinander – ihr Abstand beträgt weniger als 7 Bogenminuten. Dadurch ist die Galaxie zwar leicht aufzufinden, aber nicht unbedingt leicht zu sehen. Die Helligkeit von Mirach überstrahlt das schwächere Objekt daneben stark, was die Beobachtung erschwert. Unter klaren, ruhigen Bedingungen kann NGC404 mit großen Ferngläsern sichtbar werden – die Beobachtung durch ein Teleskop ist jedoch mitunter sogar schwieriger. Höhere Vergrößerung kann helfen, ebenso wie eine größere Öffnung. Auch die fotografische Erfassung von NGC404 stellt eine Herausforderung dar – aber eine lohnende. Mirach und Mirach’s Ghost sind eines dieser kuriosen „Himmels-Paare“, die nur durch unsere Perspektive scheinbar zusammengehören. Es wäre schade, wenn man sich von der vermeintlichen Schwierigkeit abhalten ließe, es zumindest zu versuchen.

Ein weiteres, weniger bekanntes Objekt im Sternbild Andromeda ist der offene Sternhaufen NGC752. Er liegt etwa 2,5 Grad westlich von Iota Andromedae. Der Haufen besteht aus über 70 Sternen, meist um die 9. Größenklasse, und erreicht eine Gesamthelligkeit von +5,7 mag. Am besten lässt sich NGC752 mit großen Ferngläsern beobachten. Besonders auffällig ist, dass der Haufen eine sehr alte Population enthält: Die A2-Spektralklasse einiger Mitglieder deutet auf ein Alter von über einer Milliarde Jahren hin. Der Haufen zeigt auffällige Sternketten und erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 75 Bogenminuten am Himmel. Die Entfernung zur Erde beträgt etwa 1.500 Lichtjahre.